Kab´awil und der Kampf um Land
In Guatemala mit seiner
zum größten Teil indigenen Bevölkerung, ist das Landproblem
einer der dringlichsten in einer ganzen Reihe von Problemen, die das Land
zu bewältigen hat. Die Mayas leiden am meisten unter der ungerechten
Landverteilung, in der einige wenige alles und viele nichts besitzen.
Nach dem Ende eines
36-jährigen Bürgerkrieges zwischen verschiedenen auf Machterhalt
fixierten diktatorischen Regierungen und einer für politische, soziale
und wirtschaftliche Reformen kämpfenden Guerilla wurden 1996 Friedensverträge
unterzeichnet, in denen bestimmte Abkommen festgelegt wurden, die auf eine
Verbesserung der Lebensbedingungen der armen Bevölkerung des Landes hinarbeiten
sollten.
Von großer Bedeutung waren hier zwei Themen:
Zum einen eine Landreform, also eine gerechte Verteilung von Ländereien.
Dies hat v.a. Bedeutung für die landlosen Mayas. Sie brauchen Land nicht
nur zum Überleben, sondern es ist für sie auch in religiöser
Hinsicht von größter Wichtigkeit: Der Mensch entstammt der Mutter
Erde, und sie ist von großer Bedeutung für eine Reihe von religiösen
Zeremonien.
Ausserdem wichtig war die Unterzeichnung eines Abkommens für Anerkennung
der Identität und der Rechte der indigenen Völker. Die Gesellschaftsordnung
von Guatemala beruht seit der Kolonisierung durch die Spanier auf Rassismus,
d.h. die Mayas werden von den sogenannten Ladinos, den Nachfahren der Spanier,
diskrimiert. Sie haben kaum Zugang zu politischen Ämtern, sind in allen
möglichen gesellschaftlichen und kulturellen Belangen benachteiligt und
werden in Armut gehalten.
Die Abkommen sind zwar noch nicht umgesetzt, aber ihr Bestehen auf dem Papier
ist ein Fortschritt und die Umsetzung Teil eines Prozesses, der noch Jahre
dauern wird. Nichtsdestotrotz lässt die momentane guatemaltekische Regierung
kein Interesse an der Umsetzung der Friedensabkommen erkennen. Sie versucht
bestehende Verhältnisse zu erhalten. Politische Partizipation, eine Gesellschaftsordnung,
die auf Gleichheit aller Gruppen beruht und eine Verbesserung der wirtschaftlichen
Situation der armen Bevölkerungsgruppen sind nicht zu erkennen.
Es existieren jedoch viele Gruppen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben,
die Umsetzung der Abkommen zu überwachen und anzutreiben.
Eine davon ist die Nichtregierungsorganisation Consejo Campesino Kab´awil
mit ihrem Sitz in der Stadt Quetzaltenango, im südwestlichen Hochland
von Guatemala. Sie unterstützt Bauernbewegungen in ihrem Kampf um Land,
leistet praktische Entwicklungsarbeit und tritt für politische Forderungen
der Bauern und Mayas ein. Die Organisation besteht aus Mayas und ist eng mit
der Kosmologie der Mayas verbunden.
Die Hauptaufgabe von Kab´awil ist das Ankaufen von Ländereien,
was mit der Hilfe eines Fonds geschieht. Auf dem zurückgewonnenen Land
siedeln sich dann Bauern an, die es kollektiv bearbeiten. Es befinden sich
bereits 5 Fincas im Besitz von Gruppen der Organisation.
Kab´awil versteht sich
als technische und als politische Organisation, die für die Belange des
Volkes der Mayas und anderer unterdrückter Gruppen in Guatemala kämpft.